Open Access To Gender Research

Projekte zu Open Access in der Geschlechterforschung

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Ein attraktiver Publikationsort für die Geschlechterforschung

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Wer sorgt bei einem Open-Access-Projekt für Qualität? Wer leistet Dienste oder bezahlt externe Dienstleitungen? Klassischerweise waren wissenschaftliche Autor/innen nur für ein Qualitätsmerkmal zuständig, nämlich den Inhalt ihres Textes samt Literaturverzeichnis. Die vielen anderen Dienstleistungen (Begutachtung, Lektorat, Layout, Druck, Vertrieb, Werbung) wurden von Verlagen übernommen oder organisiert. Ein Teil der Dienstleistungen fällt durch das Medium Internet weg (Druck), andere werden bei Verlagen eingespart oder von Praktikanten übernommen. Doch kann es gewollt sein, dass Wissenschafler/innen sich „nebenbei“, sprich in der Freizeit, Photoshop für das Design beibringen oder Eigenmarketing betreiben? Einerseits kann dies nicht verlangt werden, andererseits könnten Seminare, Online-Anleitungen und Format-Vorlagen sowie die Vorgabe „keep-it-simple“ dafür sorgen, dass der Transformationsprozess zu Open Access kostensenkend unterstützt wird. Trotzdem bleiben eine Auseinandersetzung mit Open Access und die Gewöhnung an einen neuen Publikationsort mit persönlichen Mühen und Kosten verbunden. Der größte Anreiz für eine Auseinandersetzung würde bestehen, wenn der Publikationsort ein hohes Renommee hat, also das Interesse der Forscher/innen dort zu veröffentlichen größer ist, als das Interesse des Publikationsortes, die Arbeit des/der Forschers/Forscherin zu veröffentlichen.

Die Betonung, dass es sich um einen Publikationsort mit leistungsorientierter Exklusivität handelt, könnte wie oben genannt Forscher/innen dazu veranlassen, sich intensiver mit rechtlichen (wer hat die Rechte an dem Text, was darf wer mit dem Text machen, was sind Creative Commons, welche Rechte trete ich überhaupt noch an Verlage ab?), finanziellen (wer bezahlt bestimmte Publikationskosten, gibt es Förderungen für Open-Access publizieren?) und formellen (welche Formatvorlage muss ich wählen, was muss ich beachten beim Einfügen von Grafiken?) Fragen auseinanderzusetzen.

Damit dieses Interesse der Forscher geweckt wird und nachhaltig besteht, müssen einflussreiche Institutionen wie DFG und Universitäten zusammenarbeiten, um einen Publikationsort langfristig zu etablieren. Dabei sind sowohl finanzielle als auch symbolische Mittel notwendig, die beide signalisieren, dass dies der Ort ist, an dem gute Forschung zukünftig präsentiert und honoriert wird. DFG und Universitäten sind als Signalgeber in der Pflicht, den Weg hin zu Open Access konsequent zu unterstützen, denn wer von einem Ufer zum anderen nur den halben Weg schwimmt, muss zwangsläufig untergehen.

Der Publikationsort sollte also einerseits eine hohe Aufmerksamkeit durch die rezipierenden Wissenschaftler/innen und andere Leser erfahren, und andererseits muss die Veröffentlichung eine gewisse Auszeichnung sein. Etwas, was dort veröffentlicht wird, ist ein wertvoller Beitrag zur Geschlechterforschung! Es gilt also: Statt für Beliebigkeit und damit Belanglosigkeit steht der Publikationsort für Qualität und damit Relevanz. Ähnlich einer Währung, die ebenso nur funktioniert, weil alle in die geschaffenen und in Zukunft zu schaffenden Werte vertrauen. Aus diesem Glauben, dort (und eben nicht woanders) wahrgenommen zu werden und für die Publikationen mit Anerkennung, Forschungsgeldern oder Berufungen belohnt zu werden, speist sich die Motivation, den neuen Publikationsort zu betreten und sich damit auseinanderzusetzen.

Mir scheint, dass die Qualität dann am höchsten ist, wenn erstens die rechtliche und technische Grundlage stimmen; zweitens der Service für die Wissenschaftler/innen gerade zu Beginn groß ist (Starthilfe, Vertrautheit mit dem neuen Ort) und ein dauerhafter Leistungskatalog besteht, der es ermöglicht, bestimmte Leistungen einzukaufen (und dafür Geld bereitgestellt wird), und drittens die Motivation, Gutachter/in, Redakteur/in, Publizierende/r und Rezipient/in dieses Publikationsortes zu sein, sehr hoch ist. Eine zentrale Frage dieses Projekts ist also, wie sich diese Motivation gründen lässt. Dazu braucht es nicht nur guter Argumente als Fundament, sondern auch klare und vertrauenswürdige Signale als Fahnen auf dem Dach.

Written by Silvio Suckow

August 2nd, 2011 at 3:15 pm