Open Access To Gender Research

Projekte zu Open Access in der Geschlechterforschung

Archive for the ‘openaccess’ tag

querelles-net und QJB weiterhin im DOAJ und mit DOAJ Seal

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querelles-net und QJB sind bereits seit längerem im Directory of Open Access Journals (DOAJ) gelistet – querelles-net seit 2005. DOAJ hat im Rahmen einer Maßnahme zur Qualitätssteigerung und Aktualisierung alle dort gelisteten Zeitschriften zur erneuten Akkreditierung aufgefordert. Wir freuen uns, dass querelles-net und QJB weiterhin im DOAJ nachgewiesen sein werden (Einträge für querelles-net und QJB). Dort sind die Zeitschriften zu finden, inklusive der Metadaten aller darin veröffentlichten Artikel.

In diesem Zusammenhang ist auch überprüft worden, ob querelles-net und QJB die Bedingungen des DOAJ Seal erfüllen. Mit diesem Gütesiegel werden Zeitschriften hervorgehoben, die besonders hohen Ansprüchen an Offenheit und Veröffentlichungspraxis genügen. Diese Zeitschriften (zurzeit 540, davon 110 in Deutschland) sind im DOAJ gesondert aufrufbar und durchsuchbar. Sowohl querelles-net als auch QJB tragen jetzt das DOAJ Seal.

DOAJ Seal for Open Access Journals

Erste Beiträge aus „Anonymität und Geschlecht“, QJB Bd. 17

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In dieser Woche sind die ersten beiden Beiträge des neuen Bandes von QJB erschienen. Beide Beiträge stehen unter der freien CC-BY-3.0-Lizenz. Es handelt sich um

QJB (Querelles. Jahrbuch für Frauen- und Geschlechterforschung) ist im Jahr 2012 auf ein Open-Access-Modell umgestellt worden mit Band 16 (Multidirektionale Transfers. Internationalität in der Geschlechterforschung, hg. von Dörte Segebart und Doris Wastl-Walter).

Written by Marco Tullney

April 11th, 2014 at 9:19 pm

Poster zum Repositoriumsprojekt

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Auf den Open-Access-Tagen 2013 in Hamburg stellt Zuzanna Jakubowski heute ein Poster vor: „Kooperationsprojekt zum Aufbau eines Fachrepositoriums für die Geschlechterforschung“. Das Poster gibt es hier auch als PDF zum Download.

Kooperationsprojekt zum Aufbau eines Fachrepositoriums für die Geschlechterforschung

Written by Marco Tullney

October 1st, 2013 at 10:50 am

Erste Beiträge aus QJB-Band 16 erschienen

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Mit den Aufsätzen von Stefanie Kron/Birgit zur Nieden: „Thinking Beyond the Categories: On the Diasporisation of Gender Studies“ und Ksenija Vidmar-Horvat: „A Wandering Paradigm, or Is Cosmopolitanism Good for Women?“ beginnt die Veröffentlichung der Beiträge zu Band 16 von QJB. Der von Dörte Segebart und Doris Wastl-Walter herausgegebene Band steht unter dem Titel „Multidirektionale Transfers. Internationalität in der Geschlechterforschung“.

Die weiteren Beiträge werden in den nächsten Wochen sukzessive veröffentlicht.

Written by Marco Tullney

January 30th, 2013 at 9:41 am

Ein attraktiver Publikationsort für die Geschlechterforschung

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Wer sorgt bei einem Open-Access-Projekt für Qualität? Wer leistet Dienste oder bezahlt externe Dienstleitungen? Klassischerweise waren wissenschaftliche Autor/innen nur für ein Qualitätsmerkmal zuständig, nämlich den Inhalt ihres Textes samt Literaturverzeichnis. Die vielen anderen Dienstleistungen (Begutachtung, Lektorat, Layout, Druck, Vertrieb, Werbung) wurden von Verlagen übernommen oder organisiert. Ein Teil der Dienstleistungen fällt durch das Medium Internet weg (Druck), andere werden bei Verlagen eingespart oder von Praktikanten übernommen. Doch kann es gewollt sein, dass Wissenschafler/innen sich „nebenbei“, sprich in der Freizeit, Photoshop für das Design beibringen oder Eigenmarketing betreiben? Einerseits kann dies nicht verlangt werden, andererseits könnten Seminare, Online-Anleitungen und Format-Vorlagen sowie die Vorgabe „keep-it-simple“ dafür sorgen, dass der Transformationsprozess zu Open Access kostensenkend unterstützt wird. Trotzdem bleiben eine Auseinandersetzung mit Open Access und die Gewöhnung an einen neuen Publikationsort mit persönlichen Mühen und Kosten verbunden. Der größte Anreiz für eine Auseinandersetzung würde bestehen, wenn der Publikationsort ein hohes Renommee hat, also das Interesse der Forscher/innen dort zu veröffentlichen größer ist, als das Interesse des Publikationsortes, die Arbeit des/der Forschers/Forscherin zu veröffentlichen.

Die Betonung, dass es sich um einen Publikationsort mit leistungsorientierter Exklusivität handelt, könnte wie oben genannt Forscher/innen dazu veranlassen, sich intensiver mit rechtlichen (wer hat die Rechte an dem Text, was darf wer mit dem Text machen, was sind Creative Commons, welche Rechte trete ich überhaupt noch an Verlage ab?), finanziellen (wer bezahlt bestimmte Publikationskosten, gibt es Förderungen für Open-Access publizieren?) und formellen (welche Formatvorlage muss ich wählen, was muss ich beachten beim Einfügen von Grafiken?) Fragen auseinanderzusetzen.

Damit dieses Interesse der Forscher geweckt wird und nachhaltig besteht, müssen einflussreiche Institutionen wie DFG und Universitäten zusammenarbeiten, um einen Publikationsort langfristig zu etablieren. Dabei sind sowohl finanzielle als auch symbolische Mittel notwendig, die beide signalisieren, dass dies der Ort ist, an dem gute Forschung zukünftig präsentiert und honoriert wird. DFG und Universitäten sind als Signalgeber in der Pflicht, den Weg hin zu Open Access konsequent zu unterstützen, denn wer von einem Ufer zum anderen nur den halben Weg schwimmt, muss zwangsläufig untergehen.

Der Publikationsort sollte also einerseits eine hohe Aufmerksamkeit durch die rezipierenden Wissenschaftler/innen und andere Leser erfahren, und andererseits muss die Veröffentlichung eine gewisse Auszeichnung sein. Etwas, was dort veröffentlicht wird, ist ein wertvoller Beitrag zur Geschlechterforschung! Es gilt also: Statt für Beliebigkeit und damit Belanglosigkeit steht der Publikationsort für Qualität und damit Relevanz. Ähnlich einer Währung, die ebenso nur funktioniert, weil alle in die geschaffenen und in Zukunft zu schaffenden Werte vertrauen. Aus diesem Glauben, dort (und eben nicht woanders) wahrgenommen zu werden und für die Publikationen mit Anerkennung, Forschungsgeldern oder Berufungen belohnt zu werden, speist sich die Motivation, den neuen Publikationsort zu betreten und sich damit auseinanderzusetzen.

Mir scheint, dass die Qualität dann am höchsten ist, wenn erstens die rechtliche und technische Grundlage stimmen; zweitens der Service für die Wissenschaftler/innen gerade zu Beginn groß ist (Starthilfe, Vertrautheit mit dem neuen Ort) und ein dauerhafter Leistungskatalog besteht, der es ermöglicht, bestimmte Leistungen einzukaufen (und dafür Geld bereitgestellt wird), und drittens die Motivation, Gutachter/in, Redakteur/in, Publizierende/r und Rezipient/in dieses Publikationsortes zu sein, sehr hoch ist. Eine zentrale Frage dieses Projekts ist also, wie sich diese Motivation gründen lässt. Dazu braucht es nicht nur guter Argumente als Fundament, sondern auch klare und vertrauenswürdige Signale als Fahnen auf dem Dach.

Written by Silvio Suckow

August 2nd, 2011 at 3:15 pm

Die Modernisierung wissenschaftlichen Publizierens in der Geschlechterforschung durch Open Access

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Der folgende Text von Marco Tullney ist erstmals erschienen im Wissenschaftlerinnen-Rundbrief der Zentralen Frauenbeauftragten der Freien Universität Berlin. Vgl. dazu Vorstellung des DFG-Projekts und anderer Aktivitäten im Wissenschaftlerinnen-Rundbrief (FU Berlin). Der gesamte Rundbrief kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Die Orientierung am Open-Access-Paradigma und das Veröffentlichen von kostenfrei zugänglichen und mit weitreichenden Nutzungsrechten versehenen Publikationen sind für die Geschlechterforschung innovativ und bieten spannende Möglichkeiten für die Entwicklung des Forschungsfeldes. Angesichts von Rezeptionsvorbehalten gegen die Geschlechterforschung versprechen die erhöhte Sichtbarkeit und Zugänglichkeit große Chancen. Welche Wege die Geschlechterforschung gehen kann und auf welche technischen, organisatorischen und rechtlichen Bausteine dabei gesetzt werden kann, soll in einem gerade begonnenen DFG-Projekt an der Freien Universität Berlin herausgearbeitet werden. Dabei soll auch ein Beitrag dazu geleistet werden, die Faszination an den neuartigen Formen und Möglichkeiten des Publizierens zu vermitteln und eine Rückwirkung auch auf Inhalte und Arbeitsformen der Geschlechterforschung explizit anzustreben.

Wandel im Publikationsbetrieb

Der wissenschaftliche Publikationsbetrieb ist seit einiger Zeit größeren Wandlungsprozessen und einem steigenden Modernisierungsdruck unterworfen. Neue technische Lösungen ermöglichen andere Formen der Planung, Erstellung und Veröffentlichung von Publikationen. Befördert werden diese Entwicklungen durch die so genannte Zeitschriftenkrise, in deren Folge die Kosten für das Abonnement von Fachzeitschriften stark gestiegen sind, was die Etats von Bibliotheken höher belastet, mit der Folge, dass diese immer mehr Abonnements kündigen müssen. Auch die zentrale Mitwirkung von Wissenschaftler/innen an wissenschaftlichen Zeitschriften und anderen Publikationen verändert sich: Elektronische Erstellungsweisen erleichtern beispielsweise die Kooperation von Wissenschaftler/innen an verschiedenen Orten, Veränderungen der Kostenstruktur bei neuartigen Publikationsweisen begünstigen das Zustandekommen zeitgemäßer Publikationsorte, die nicht notwendig auf Verlage angewiesen sind, sondern von Forschungseinrichtungen, Bibliotheken oder gänzlich in Eigenregie betrieben werden können. Dass bereits jetzt zahlreiche Dienstleistungen im Publikationsbetrieb unbezahlt durch Wissenschaftler/innen übernommen werden (von der Herausgabe über Begutachtungen bis hin zu Lektorat und Korrektorat, teilweise sogar zum Layout) – selbst dort, wo Verlage involviert sind – ist bereits ein Grundstein für ein stärker auf die Bedürfnisse der beteiligten Wissenschaftler/innen ausgerichtetes Publikationssystem.

Die Zeitschriftenkrise korrespondiert mit der Frage, warum wissenschaftliche Publikationen, deren Erstellung in aller Regel schon aus öffentlichen Mitteln bezahlt worden ist, anschließend ebenfalls aus öffentlichen Mitteln wieder angeschafft werden müssen – ganz zu schweigen von den sonstigen Rezeptionshindernissen, die Kosten und Beschränkungen der Nutzungsrechte darstellen. Unter dem Schlagwort Open Access wird deshalb seit einiger Zeit der – finanziell und rechtlich – freie Zugang zu wissenschaftlicher Literatur gefordert und häufig die einerseits die Rechte der Urheber/innen schützen, andererseits aber die Nutzung, Bearbeitung und Verbreitung der Werke pauschal gestatten, operieren bisher vor allem Open-Access-Zeitschriften, aber es werden in diesem Kontext auch gemeinfreie Werke (z.B. ältere Bücher, Kunstwerke) bereitgestellt. Weniger Verbreitung findet Open Access bisher bei Buchneuerscheinungen, jedoch gibt es hier einen starken Trend, die Entwicklung nachzuholen. Schließlich wirft die Modernisierung auch die Rollenverteilung im Publikationsbetrieb durcheinander: Die Herausgabe unter eigener Verantwortung wird wieder attraktiver, neue Publikationsdienstleister treten auf, und Verlage müssen ihr Dienstleistungsangebot schärfen und Kosten, die sie auf die Autor/innen abwälzen, stärker rechtfertigen als zuvor. Wenn auch oft noch langsam, bauen Hochschulen ihre entsprechenden Infrastrukturen (Publikationsserver für Zeitschriften und einzelne Bücher, Artikel etc.) und Beratungsangebote dennoch nach und nach aus.

Die Veränderungen im Publikationsbetrieb korrespondieren mit Veränderungen in der Wissenschaftslandschaft insgesamt: Einerseits wird vermehrt kooperativ, interdisziplinär und international gearbeitet (und dies wird auch erwartet), was Schwierigkeiten etwa der Verständigung auf Qualitätsstandards und Arbeitsweisen mit sich bringt. Andererseits führt der gestiegene Konkurrenzdruck zwischen Hochschulstandorten, aber auch zwischen einzelnen Wissenschaftler/innen, in Verbindung mit einem gestiegenen Spardruck und Kostenbewusstsein dazu, dass Forscher/innen und ihre Einrichtungen einem permanenten Rechtfertigungszwang und einem Zwang zur Sichtbarmachung der eigenen Aktivitäten und Resultate unterliegen. (Zumindest geht die Entwicklung in diese Richtung.)

Chancen für die Geschlechterforschung

Für die Geschlechterforschung birgt diese Entwicklung Chancen und Risiken. Bislang sind ihre Erkenntnisse nicht selbstverständlicher Teil des wissenschaftlichen Mainstreams, und das Forschungsfeld als Ganzes unterliegt starken Vorbehalten bezüglich seiner Wissenschaftlichkeit. Nach wie vor ist umstritten, ob es sich um eine Disziplin mit eigenen Theorien und Methoden handelt oder aber um ein inter- oder transdisziplinäres Forschungsfeld; dies erweckt den Eindruck einer gewissen Unübersichtlichkeit. Sichtbarkeit und Reputation zu steigern sowie Qualität zu belegen, sollten also nach wie vor wesentliche Ziele für die Geschlechterforschung sein, insbesondere, wenn über die bisher geschaffenen Nischen und Institutionalisierungsversuche hinausgegangen werden soll (vgl. hierzu auch den Beitrag von Anita Runge in diesem Heft).

Es gibt in der deutschsprachigen Geschlechterforschung so gut wie keine Open-Access-Publikationen.1 Auch in den Disziplinen, aus denen ein Großteil der Geschlechterforscher/innen stammt, den Geistes- und Sozialwissenschaften, spielt Open Access bisher keine herausragende Rolle – ebenso übrigens wie standardisierte Verfahren der Qualitätssicherung oder -messung. Dies hängt zu einem großen Teil mit der bereits angesprochenen geringen Ausbreitung von Open Access im Buchbereich zusammen, da Bücher und Buchreihen nach wie vor die wesentlichen Publikationsformen in diesen Wissenschaften sind. Aber sicherlich spielt auch eine Rolle, dass die Risikobereitschaft, auf neue Publikationsweisen (elektronisch, Open Access, Selbstverlag bzw. neuer Verlag) zu setzen, in einem um Anerkennung kämpfenden Feld vielleicht geringer ist als in Bereichen, in denen bereits erworbene Anerkennung, unstitutionelles und persönliches Gewicht in neugegründete, innovative Publikationen übernommen werden können. Für eine positive Open-Access-Orientierung in der Geschlechterforschung wird es auch wichtig sein, Entscheidungen zwischen eigenen, eventuell redundanten Lösungen und der Anpassung an bereits existierende Ansätze zu treffen. Die bisher existierenden Angebote haben einen starken Bias in Richtung Naturwissenschaften, und sie konzentrieren sich auf Zeitschriften. Für die Geisteswissenschaften gibt es, insbesondere in Bezug auf Open Access bei Büchern, erste Ansätze. Große Wissenschaftsverlage sind inzwischen auf den Open-Access-Zug aufgesprungen, bringen aber eigene Profiterwartungen und damit zusätzliche Kostenfaktoren ein. In diesem Feld eine an den Bedürfnissen der Wissenschaftslandschaft und der Geschlechterforschung orientierte Entwicklung innovativ mitzugestalten, statt sich einige Jahre später dann festen Sachzwängen unterwerfen zu müssen, ist ein wesentliches Motiv des Projektes wie auch anderer Open-Access-Aktivitäten in seinem Umfeld.

Schließlich werden auch Arbeitsformen und Inhalte der Geschlechterforschung von einer Entwicklung hin zu mehr freien, mehr elektronischen Publikationen beeinflusst werden – neue Formen der Zusammenarbeit, des Schreibens und der Darstellung von Inhalten sind unmittelbar abzusehen, wenn etwa ganz neue Materialzugänge möglich werden oder neue Fragestellungen aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig in den Blick genommen werden können.

Das DFG-Projekt

Im Anfang Mai 2011 begonnenen DFG-Projekt Geschlechterforschung und Open Access soll die Ausbreitung des Open-Access-Paradigmas in der Geschlechterforschung befördert werden, und es sollen spannende, innovative Lösungen für dieses Forschungsfeld vorgeschlagen werden. Dazu soll ein Konzept entwickelt werden, wie Open Access und dokumentierte Qualitätssicherung für die Geschlechterforschung nutzbar gemacht werden können und welche Schritte hierfür gangbar sind. Es wird davon ausgegangen, dass die einfache Zugänglichkeit und erhöhte Sichtbarkeit, die Open-Access-Publikationen bieten, eine große Chance für die Geschlechterforschung darstellen, auch außerhalb einzelner Teilbereiche und Nischen wahrgenommen zu werden und den Dialog mit jeweils angrenzenden Disziplinen zu fördern.

Da sowohl die Geschlechterforschung als Forschungsfeld als auch die freie Veröffentlichung als Publikationsweise starken Vorbehalten ausgesetzt sind, kann eine solche vielversprechende Umorientierung nur funktionieren, wenn es gelingt, Qualitätsstandards mit einzubeziehen. Hierbei sind verschiedene Modelle denkbar, die sich aber alle an der Erwartung großer Teile der Wissenschaftslandschaft orientieren müssen, dass Qualität unabhängig geprüft werden soll – in traditionellen oder modernisierten Fassungen des Peer Review.

Die Ergebnisse des Projektes sollen so transparent wie möglich bereitgestellt werden. Damit verbunden sind auch der Anspruch und die Erwartung, Ergebnisse vorzulegen, die für andere inter- bzw. transdisziplinäre Bereiche übertragbar oder anpassbar sein können. Es ist für die hier zu behandelnden Fragen auch weitgehend unwichtig, ob man von Geschlechterforschung als einem interdisziplinären Feld oder einer eigenen Disziplin ausgehen möchte – die starken interdisziplinären Effekte sind in jedem Fall vorhanden.

Durch die Förderung dieses Projekts unterstützt die DFG die Bearbeitung einer Fragestellung, die sowohl für die Forschungs- und Wissenschaftspraxis in der Geschlechterforschung als auch für die Wissenschaftsinfrastruktur wichtig ist. Gleichzeitig wird deutlich gemacht, dass die DFG ihr Bekenntnis zu Open Access ernst nimmt und dass das Anliegen der Projektgruppe, Open Access auch in bezüglich ihres Publikationsverhaltens eher traditionellen Bereichen zum Durchbruch zu verhelfen, unterstützt wird. An der Freien Universität Berlin reiht sich dieses Projekt ein in verschiedene kleinere und größere Open-Access-Projekte, die hier bereits stattfinden – häufig ebenfalls mit Drittmittelunterstützung.

Die Projektverantwortlichen freuen sich über aktuelles und zukünftiges Interesse von Kolleg/innen in- und außerhalb der Freien Universität. Im Projekt sollen entsprechende Kontakte weiter genutzt und ausgebaut werden, um Fachkolleg/innen und weitere Expert/innen mit einzubeziehen.

Der Erfolg guter Konzepte hängt wesentlich davon ab, dass entsprechende Entwicklungen auf den Problemanalysen und Zielvorstellungen der Kolleg/innen im Forschungsfeld fußen und die entscheidenden Akteurinnen und Akteure mitwirken können. Nicht zuletzt dient deshalb das Projekt ‚Geschlechterforschung und Open Access‘ auch der Anregung zum intensiven Dialog über das wissenschaftliche Publizieren in der Geschlechterforschung.


Fußnoten

1 Vgl. hierzu Anita Runge/Marco Tullney: Artikel ‚Geschlechterforschung‘, Informationsplattform open-access.net. Zu den Ausnahmen gehören die Rezensionszeitschrift querelles-net und das Jahrbuch Querelles, vgl. den Artikel von Anita Runge in diesem Heft.

Sichtbarkeit als Herausforderung. Publikationsförderung in der Geschlechterforschung an der Freien Universität Berlin – ein Modell im Wandel

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Der folgende Text von Anita Runge ist erstmals erschienen im Wissenschaftlerinnen-Rundbrief der Zentralen Frauenbeauftragten der Freien Universität Berlin. Vgl. dazu Vorstellung des DFG-Projekts und anderer Aktivitäten im Wissenschaftlerinnen-Rundbrief (FU Berlin). Der gesamte Rundbrief kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Wissenschaftliche Anerkennung ist das Ergebnis eines Kommunikationsprozesses. Erst wenn eine wissenschaftliche Leistung in erkennbarer Weise rezipiert wird und dokumentierbare Resonanz erfährt, entstehen Renommee und Reputation. Zu den frühen Erkenntnissen einer feministischen Wissenschafts- und Institutionenkritik gehörte die Einsicht, dass dieser Prozess weder ‚naturwüchsig‘ abläuft noch gerecht ist: Die Vorstellung, dass Qualität sich schon durchsetze, wurde als Ideologem eines akademischen Betriebes identifiziert, der seine eigenen Exklusionsmechanismen verschleiert. Der Nachweis der Benachteiligung von Frauen, aber auch des Bereichs der Frauen- und Geschlechterforschung insgesamt bei der Vergabe von akademischen Stellen, bei der Rekrutierung des wissenschaftlichen Nachwuchses, beim wissenschaftlichen Austausch im Rahmen von Tagungen, nicht zuletzt auch bei den Publikationsmöglichkeiten, führte zur Einrichtung von Förderprogrammen und einer aus heutiger Perspektive als Erfolgsgeschichte zu bezeichnenden Verbesserung der Partizipationschancen von Frauen im Wissenschaftsbetrieb und einer Anerkennung der Geschlechterforschung als eigenständiges Forschungsfeld.

Neben Drittmitteln, Auszeichnungen, Preisen gehört das Veröffentlichen in angesehenen Zeitschriften bzw. Buchreihen zu den wichtigsten Voraussetzungen wissenschaftlicher Reputation. Die Selektionsmechanismen im Publikationsbetrieb begünstigen den wissenschaftlichen Mainstream. Für ein neu zu etablierendes Forschungsfeld wie die Geschlechterforschung, aber auch im Hinblick auf die Aufhebung der Benachteiligung von Nachwuchswissenschaftlerinnen wurde es daher bereits Mitte der 1980er Jahre als notwendig erachtet, Fördermaßnahmen für wissenschaftliches Veröffentlichen umzusetzen. Die Freie Universität Berlin hat 1985 als erste Universität im deutschsprachigen Raum ein entsprechendes Programm eingerichtet und ist bis heute die einzige Universität, die dieses Konzept konsequent verfolgt und weiterentwickelt. Eine erste Idee, die Unterstützung des Drucks von Dissertationen aus der Frauen- und Geschlechterforschung durch Zuschüsse, wurde 1985 durch die Gründung der Reihe Ergebnisse der Frauenforschung an der Freien Universität Berlin umgesetzt.1

Die Entwicklung des Programms von dieser Gründung bis zur Ende 2010 erfolgten Bewilligung eines DFG-Projekts zum Thema „Geschlechterforschung und Open Access. Ein Publikationsmodell für ein inter-/transdisziplinäres Feld“ (vgl. dazu auch den Beitrag von Marco Tullney) spiegelt die Transformationen wider, von denen das Feld der Geschlechterforschung, die Konzepte zur Gleichstellung in akademischen Institutionen, aber auch die wissenschaftliche Publikationspraxis insgesamt gekennzeichnet sind.

Zugespitzt lässt sich dieser Wandel als Weg von der Förderung ‚minoritärer‘ Wissenschaft und ihrer Vertreter/innen hin zum selbstbewussten, innovativen Umgang mit den Chancen und Risiken von wissenschaftlicher Marginalität beschreiben.

1985 ging es zunächst darum, überhaupt zu ermöglichen, dass die im Rahmen von Qualifikationsverfahren und wissenschaftlichen Projekten entstandenen Frauen- und Geschlechterforschungsergebnisse in traditionellen Verlagen veröffentlicht werden konnten. Es galt, den Vorurteilen gegenüber der wissenschaftlichen Relevanz entsprechender Studien durch die Etablierung einer streng begutachteten Reihe in einem angesehenen Verlag zu begegnen. Gleichzeitig sollten durch die Vergabe von Druckkostenzuschüssen Wissenschaftlerinnen auch finanziell gefördert werden, die sich in der Regel eben seltener auf gesicherten Stellen, sondern zumeist unter prekären Arbeitsbedingungen qualifizieren mussten. Der Erfolg der Reihe (1985 – 2007: 69 Bände) lässt sich daran ablesen, dass sie in gewisser Weise überflüssig geworden ist: Nahezu alle renommierten Verlage in den Geistes- und Sozialwissenschaften haben inzwischen Frauen- und Geschlechterforschung/Gender Studies zum Bestandteil ihrer Programmplanung gemacht; einige spezialisieren sich mit Buchreihen oder Zeitschriftenprojekten nachhaltig in diesem Bereich. Publikationsorte und -angebote sind ebenso ausdifferenziert und vielfältig wie das Feld selbst, so dass die Zusammenfassung der Ergebnisse in einer Reihe ebenso obsolet ist wie die Unterstützung des traditionellen Dissertationsdrucks aus öffentlichen Mitteln.

Noch Mitte der 1990er Jahre wurde es als wichtig angesehen, dass auch für die Frauen- und Geschlechterforschung diejenigen Formen wissenschaftlichen Publizierens zur Verfügung stehen, in denen üblicherweise die wissenschaftliche Kommunikation in etablierten (Sub-)Disziplinen stattfindet. Damit verbunden war die Hoffnung, dass die Nutzung konventioneller Formate und Publikationsmodelle zur Aufhebung der nach wie vor bestehenden Rezeptionssperren gegenüber der Geschlechterforschung beitragen könnte. Die Reihe Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung an der Freien Universität wurde entsprechend 1996 um ein interdisziplinäres Jahrbuch (Querelles)2 und 2000 um eine Rezensionszeitschrift zur Frauen- und Geschlechterforschung (querelles-net) erweitert.3

Mit der Rezensionszeitschrift querelles-net, die von Anfang an ausschließlich elektronisch publiziert wurde und seit einem Relaunch 2009 als Open-Access-Zeitschrift erscheint, wurde die Leitidee der Publikationsförderung an der Freien Universität Berlin erneut modifiziert: Anstelle des Versuchs der Anpassung an die in den Geistes- und Sozialwissenschaften gängigen Formate und Publikationsmodelle ist die Arbeit an eigenständigen, innovativen Veröffentlichungsformen für die Geschlechterforschung getreten. Das Ziel ist, die Publikationspraxis in der Geschlechterforschung nicht nachholend an die momentan rasante Entwicklung des wissenschaftlichen Publizierens anzupassen, sondern diese Entwicklung mitzugestalten. Dabei sollen die speziellen Anforderungen eines Feldes berücksichtigt werden, das durch unterschiedliche Fächerkulturen, inter-bzw. transdisziplinäre Strukturen und gleichzeitig immer noch durch eine spezielle Randständigkeit gekennzeichnet ist. In den neuen Modellen soll insbesondere das kritische Potential dieser Marginalität fruchtbar gemacht werden, das es ermöglicht, Mainstram-Entwicklungen auf ihre Konsequenzen hin zu überprüfen und experimentell Alternativen zu erproben. Die auf dieser Grundlage im Rahmen eines DFG-Projekts entwickelten Publikationsmodelle stellen keine „Insellösungen“ dar, sondern können auf andere ähnlich strukturierte Forschungsfelder übertragen werden.


Fußnoten

1 Vgl. http://www.zefg.fu-berlin.de/publikationen/monografien/index.html.

2 Vgl. http://www.zefg.fu-berlin.de/publikationen/querelles_jahrbuch/index.html; neu: www.querelles.de.

3 Vgl. http://www.querelles-net.de.

Projektvorstellung querelles-net

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Mission Statement

Die elektronische Rezensionszeitschrift querelles-net bietet ein Forum für wissenschaftliche Besprechungen von Neuerscheinungen der Geschlechterforschung. Rezensionen werden dabei als wichtige Grundlage sowohl für die Verbesserung der Sichtbarkeit und das Renommee des Feldes als auch für die Vernetzung der Forschenden angesehen. Wissenschaftliche Rezensionen dienen in querelles-net nicht nur als Informationsquelle, sondern als eigenständige Beiträge, in denen die Positionierung und Kontextualisierung der besprochenen Forschungsergebnisse angestrebt wird.
Mit der gewählten Publikationsform sollen gleichzeitig neue technische und rechtliche Möglichkeiten genutzt und beispielhaft erprobt werden.

querelles-net erschließt die Vielzahl fachspezifischer, inter- und transdisziplinärer Veröffentlichungen im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung/Gender Studies, insbesondere aus dem deutschsprachigen Raum. Wissenschaftliche Besprechungen geben einen Überblick über wichtige Publikationen und aktuelle Forschungsschwerpunkte. Besprochen werden sowohl gedruckte als auch elektronisch publizierte Werke.

Institutionelle Anbindung: querelles-net ist Teil des Publikationsförderprogramms zur Frauen- und Geschlechterforschung an der Freien Universität Berlin.

Technische und rechtliche Grundlagen: Seit 2009 wird querelles-net als Open-Access-Zeitschrift publiziert. Mit Hilfe des Redaktionssystems Open Journal Systems werden seitdem die eingegangenen Rezensionen außerdem einem standardisierten Begutachtungsund Redaktionsverfahren unterzogen.

Erscheinungsweise: Ab 2011 erscheint querelles-net ohne thematische Ausgabenbindung in kleineren Ausgaben. Damit wird das Ziel verbunden, den Publikationsprozess zu verkürzen und Rezensionen zu Neuerscheinungen möglichst zeitnah zu veröffentlichen.

Beteiligte Personen aus dem Arbeitszusammenhang

  • Redaktionsleitung: Marco Tullney
  • Redaktion: Valeria Raupach, Anita Runge, Marco Tullney
  • Kontinuierliche Mitarbeit: Judith W. Guzzoni, Carrie Smith-Prei

Finanzierung und Unterstützung

  • Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung, Freie Universität Berlin

Internet

Written by Marco Tullney

June 3rd, 2011 at 8:48 pm

Projektvorstellung DFG-Projekt „Geschlechterforschung und Open Access“ (2011–2012)

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Mission Statement

Im DFG-Projekt „Geschlechterforschung und Open Access“ wird ein Konzept für eine Modernisierung des Publizierens in der Geschlechterforschung entwickelt, bei dem Open Access und Qualitätssicherung im Vordergrund stehen. Es wird herausgearbeitet, wie die maßgeblichen Publikationsformen von Open Access profitieren können und wie Publikationsorte konzipiert sein müssen, die Reputation und Sichtbarkeit für die Geschlechterforschung bieten können. Dabei orientiert sich das Projekt an den Kriterien Qualitätssicherung, Sichtbarkeit, Nachhaltigkeit, Internationalität, Nachwuchsförderung und die Förderung der wissenschaftlichen Kommunikation. Bisher spielen Open Access und dokumentierte Qualitätssicherung keine große Rolle in der deutschsprachigen Geschlechterforschung. Chancen für die Geschlechterforschung bestehen darüber hinaus auch in der Erleichterung des interdisziplinären Dialogs und der Diskussion von Forschungsmethoden und -ergebnissen. Das Angebot soll auf bereits – etwa in verwandten Feldern oder im internationalen Bereich – existierenden Publikationslösungen aufbauen und deren Adaptionsmöglichkeiten innerhalb eines inter- und transdisziplinären wissenschaftlichen Felds mit spezifischen Anforderungen ausloten. Im Projektkontext werden auch die Anforderungen an wissenschaftliche Buchreihen und Sammelbände unter Open- Access-Bedingungen definiert werden müssen. Für die weitere Ausbreitung von Open Access ist die Erschließung der Geschlechterforschung und eine mögliche Übertragbarkeit in ähnliche interdisziplinäre Bereiche von Vorteil.

Angestrebte Projektergebnisse:

  • Konzeption eines Open-Access-Publikationsorts für die wichtigsten Publikationsformen in der Frauen- und Geschlechterforschung (insbes. Buchreihen, Monografien und Sammelbände) auf der Grundlage gemeinsamer Standards, Lizenzregelungen und Qualitätssicherungsverfahren
  • Entwicklung von Maßnahmen zur nachhaltigen Verfügbarkeit, Sichtbarkeit und Nutzbarkeit der Veröffentlichungen innerhalb der Geschlechterforschung und der jeweils beteiligten Fachdisziplin(en) mit folgenden Schwerpunkten: Präsentation an einheitlichem Ort, Entscheidung über geeignete Repositorien, Sicherung der Dokumentidentität auch bei unterschiedlichen Dateiformaten
  • Vorschläge für eine Transformation der praktizierten Arbeitsabläufe bei Begutachtung, Qualitätssicherung, Redaktion im Hinblick auf Transparenz, Qualität und die Möglichkeiten der ausgewählten Redaktionssysteme
  • Verknüpfung der Publikationsmöglichkeit mit Publikationsförderung: Entwicklung von Beratungsdienstleistungen sowie von Tools bzw. Werkzeugkästen
  • Schaffung von Nachnutzungsmöglichkeiten für andere Open-Access-Projekte durch Veröffentlichung und Dokumentation der Projektergebnisse und -erfahrungen

Beteiligte Personen aus dem Arbeitszusammenhang

  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt: Marco Tullney
  • Antragstellerinnen: Dr. Anita Runge, Prof. Dr. Bettina Hannover
  • Arbeitsgruppe: Dr. Tanja Carstensen, Dr. Katja Mruck, Dr. Susanne Scharnowski, Carrie Smith-Prei, PhD, Dipl.-Psych. Rubina Vock
  • weitere Kooperationen

Finanzierung und Unterstützung

  • Deutsche Forschungsgemeinschaft
  • Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung, Freie Universität Berlin

Internet

Written by Marco Tullney

May 24th, 2011 at 9:17 am

Blog zu Open Access und Geschlechterforschung gestartet

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Mit diesem Post eröffnen wir unser neues Blog zu Open-Access-Projekten in der/für die Geschlechterforschung. Entstanden ist das Blog aus dem Wunsch heraus, unterschiedliche Projekte, an denen wir beteiligt sind, unter einem Dach aktuell zu präsentieren und mit weiteren thematisch relevanten Informationen anzureichern.

Über Rückfragen, Kommentare, Anregungen, Kooperationsinteresse etc. freuen wir uns.

Anita Runge, Marco Tullney

Written by Marco Tullney

May 23rd, 2011 at 3:34 pm